Elsa-Brändström-Schule Bonn

 

Lernzeit

 

 

 

 

Ausgangssituation:

 

 

In den vergangenen Jahren hat sich das gesamte Team der Schule intensiv mit Forschungsergebnissen und Studien zum Thema Hausaufgaben, unter anderem mit der wissenschaftlichen Begleitstudie zur Offenen Ganztagsschule von Frau Prof. Gabriele Nordt und der IGLU-Studie aus dem Jahr 2006 beschäftigt. Folgende Ergebnisse wurden festgehalten:

  • Die Hausaufgaben sind nicht individuell genug. Sie erfüllen nicht den Anspruch auf ausreichende individuelle Förderung.

  • Hausaufgaben, die ins Elternhaus verlagert werden, vergrößern die Chancenungleichheit unter den Schülerinnen und Schülern. Da viele Eltern aus unterschiedlichen Gründen (z.B. mangelnde Sprachkenntnisse, Bildungsarmut, Erkrankung, belastete Lebenssituation, Desinteresse) ihren Kindern bei den Hausaufgaben nicht helfen können oder wollen, sind die Kinder auf sich alleine gestellt und oft nicht in der Lage, ihre Aufgaben zu erfüllen. Damit haben sie einen deutlichen Nachteil anderen privilegierten Kindern gegenüber oder Kindern mit einem OGS- Platz und entsprechender Hilfestellung durch die pädagogischen Fachkräfte.

  • Bildung findet nicht nur kognitiv durch klassisches „Unterrichten“ statt, sondern in vielen lebenspraktischen Lernanlässen, in denen die Schülerinnen und Schüler selbst ausprobieren und mit allen Sinnen Lösungen finden dürfen.

 

 

 

 

 

Ziele und Methodik

 

 

Das übergeordnete pädagogische Ziel der Lernzeiten ist eine individuelle Förderung jedes Kindes durch einen ganzheitlichen Lernansatz. Durch den Umgang mit verschiedenen attraktiven Lernmaterialien, spielerische sprachbildende Elemente, den Zugang zu Medien, Naturwissenschaften, Musik, Arbeiten mit allen Sinnen, die Förderung lebenspraktischer Fähigkeiten, Bewegung und das Erlernen eines positiven sozialen Umgangs miteinander, wird ein ganzheitlichen Zugang der Kinder zu Wissen und Bildung angeboten. Die Kinder sollen über das eigene Handeln, über Bewegung und Alltagsbezüge verstehen, wie Lernen funktioniert und wie sie Herausforderungen bewältigen können. Den Kindern soll sich der Sinn erschließen, wofür sie bestimmte Dinge lernen. Ihre Eigenmotivation wird gestärkt und ihnen Erfolgserlebnisse ermöglicht, auf die sie in ihrem weiteren Leben aufbauen können. Sie sollen Freude an dem haben, was sie tun und durch die Arbeit im Team Kooperationsfähigkeit und einen positiven Umgang miteinander erlernen.

 

 

 

Umsetzung

 

 

Alle Schülerinnen und Schüler nehmen im Anschluss an den Unterricht an einer Lernzeit teil. Die ersten und zweiten Klassen dreimal in der Woche und die dritten und vierten Klassen zweimal in der Woche. Die Gruppengröße variiert je nach Thema der Lernzeit von 6 bis zu 16 Kindern. Die Lernzeiten werden von LehrerInnen und ErzieherInnen vorbereitet und durchgeführt. Die Einteilung der Schülerinnen und Schüler erfolgt während der Teamzeit, damit Rücksprache mit den Sonderschullehrerinnen und der Sozialpädagogin gehalten werden kann.

Die Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf nehmen an den Lernzeiten teil, die projektorientiert, motivierend, handlungsorientiert sind, das soziale Lernen fördern und in kleinen Gruppen stattfinden, wenn möglich mit der LehrerIn, die sie kennen.

 

 

 

 

Inhalte der Lernzeiten

 

 

Alle Lernzeiten sind spielerisch, handlungsorientiert und motivierend.

Alle Lernzeiten fördern schulische Kompetenzen, orientieren sich aber nicht explizit am Lehrplan

Sprachbildung: ergänzend zum Sprachbildungskonzept wird in allen Lernzeiten der mündliche Sprachgebrauch gefördert. Die Schülerinnen und Schüler sollen so viel wie möglich sprechen, ihren Wortschatz erweitern und die Grammatik der deutschen Sprache einüben. Im Hinblick auf die interkulturelle Schülerschaft und die Mehrsprachigkeit vieler Kinder werden verschiedene Sprachlernzeiten angeboten (Kurdisch, Englisch, Arabisch), sowie Lernzeiten, die den Umgang mit Literatur und die sprachlichen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler fördern (Märchenwerkstatt, verschiedene Leseangebote, Bücherwelt, Sprachspiele, Wortschatzarbeit, Literaturkurs, Klassenzeitung)

Naturwissenschaftlicher Bereich / Mathematik: für die 3.- und 4.-Klässler gibt es mehrere Angebote, die sich insbesondere an technisch oder naturwissenschaftlich interessierte und/oder mathematisch starke SchülerInnen richten. Diese verfolgen das Ziel, die Schülerinnen und Schüler noch mehr für diese Themen zu begeistern und ihnen Kenntnisse und Fähigkeiten über den Lehrplan hinaus zu vermitteln (Experimente, Strom und Elektrizität, Bewegungsspiele zum 1x1, Geometrie, Mathespiele 1. Klasse)

Kunst und Kultur: Da es vielen Kinder des Stadtteils an kulturellen Erlebnissen und kultureller Bildung fehlt und z.B. musische Fähigkeiten erwiesenermaßen kognitive Denkvorgänge verbessern können, ist auch dieser Bildungsbereich wichtig. Die Kinder werden gemäß ihrer Talente eingeteilt bzw. dürfen sich auch im künstlerischen Bereich ausprobieren, auch wenn sie vorher dazu keinen Zugang hatten (Maltechniken, Musikalische Grundausbildung, Kreativkurs)

Lebenspraktische Fähigkeiten / Sachkunde: Kinder brauchen Lernerfahrungen , die ihnen auch in ihrem Alltag weiterhelfen und ihre Kompetenzen erweitern (Pflanzenwelt / Schulgarten, Kochen, Tierwerkstatt, Kooperationsspiele)

Bewegung: Um Kindern einen Ausgleich zum Lernen im Sitzen anzubieten, das Körpergefühl zu verbessern sowie motorische Fähigkeiten zu schulen, gibt es Lernzeiten, die auf sehr unterschiedlichen Niveaus angeboten werden und die Themen Psychomotorik, Yoga, Bewegungsspiele und Wahrnehmungsspiele umfassen.

 

 

 

 

Mitgestaltung von Eltern

 

 

In der Planungsphase der Lernzeiten entstand eine Arbeitsgruppe aus 12 Eltern, die am Konzept der Lernzeiten arbeiteten und ihre Wünsche und Ideen einbrachten. Daraus ergab sich zum Beispiel die Gestaltung und Einführung eines Lerntagebuches für jedes Kind, in dem Lernerfolge, Lerninhalte und gegenseitige Mitteilungen eingetragen werden. Danach wurden alle Eltern zu einem Informationsabend eingeladen, bei dem das Konzept vorgestellt wurde. In der Schulkonferenz im Juni 2013 wurde das Lernzeitenkonzept für zunächst ein Jahr beschlossen, in der Schulkonferenz im Juni 2014 wurde der Beschluss der endgültigen Einführung gefasst.

Die Wünsche der Eltern wurden in folgende Regelungen gefasst:

Die Eltern können sich in den blauen und roten Mappen sowie im Wochenplan über die schulischen Leistungen ihres Kindes und den aktuellen Stoff informieren.

Die Lehrer/ Lehrerinnen dürfen zusätzliche Übungsmöglichkeiten für einen Test oder eine Arbeit mit nach Hause geben. Sie dürfen auch Aufgaben mitgeben, die die Kinder erledigen müssen, weil sie in der Schule getrödelt haben.

Die Eltern haben die Aufgabe, mit dem Kind so oft wie möglich zu lesen, das 1x1 zu üben, die Mappen zu kontrollieren, den Wochenplan am Wochenende mit dem Kind nachzuarbeiten, zu unterschreiben, sich im Lerntagebuch zu informieren.

 

 

 

 

Mitgestaltung von Kindern

 

 

Das Schülerparlament entwickelte einen Fragebogen für alle Schüler und Schülerinnen, durch den die Zufriedenheit der Kinder mit den Lernzeiten im Vergleich zur früheren Hausaufgabenpraxis abgefragt wurde. Die Kinder bearbeiten den Fragebogen mit ihren jeweiligen Klassen und stellen dann die Ergebnisse im Schülerparlament vor. Diese werden dann im Austausch mit den Eltern veröffentlicht und ebenso in die Überlegungen über die Fortsetzung der Lernzeiten im nächsten Schuljahr einbezogen.

Die erste Umfrage ergab eine Zweidrittelmehrheit für die Lernzeiten.

 

 

 

 

Präsentation der Lernzeiten

 

 

Die „ Lernzeitenreporter“ (auch eine Lernzeit) veröffentlichen Texte und Bilder auf Stellwänden im Foyer und auf der Homepage. Die Eltern können zweimal jährlich in den Lernzeiten hospitieren. Sie werden über den Infobrief über Neuigkeiten informiert.